Wohnen
Im Flimser Quartier Dadens stand seit dem 17. Jahrhundert ein Wohnhaus mit charakteristischen grünen Fensterläden, rund hundert Jahre im Besitz derselben Familie. Nach dem Tod der letzten Bewohnerin im Jahr 2016 stand die neue Besitzerfamilie vor der Frage, wie mit dem nicht unterkellerten Strickbau und dem angrenzenden Stall umzugehen sei. Anstelle eines Abbruchs mit Neubau – der einfachste, aber für die Familie keine Option – entschied man sich für einen behutsamen Umbau, der das Quartierbild bewahrt und zugleich neuen, bezahlbaren Wohnraum für Einheimische schafft.
Das Konzept trennt zwei Bauteile: Der historische Kern wurde vollständig entkernt und im Innern neu organisiert, um zwei zeitgemässe Eigentumswohnungen unterzubringen – eine 4½-Zimmer-Wohnung im Erdgeschoss sowie eine grosszügige 5½-Zimmer-Wohnung über Ober- und Dachgeschoss, mit der Option auf eine 7½-Zimmer-Variante. Anstelle des ehemaligen Stalls auf der Südseite entstand ein Neubau mit drei Mietwohnungen für einheimische Familien, ergänzt durch eine unterirdische Einstellhalle, deren Zufahrt so gelöst wurde, dass die Quartierstrasse vom zusätzlichen Verkehr verschont bleibt.
Konstruktiv bleibt der bestehende Holzstrickbau mit seinem Fundament aus rohen Steinen erhalten und wird innenseitig mit einer Holzständerkonstruktion samt Zellulose-Wärmedämmung ertüchtigt. Dach und Leitungssystem wurden komplett erneuert, die Eindeckung erfolgt in Kupfer, die Fenster in geölter Lärche mit Dreifachverglasung; die historischen Fensterläden wurden saniert und im ursprünglichen Grün neu gestrichen. Geheizt wird CO₂-neutral über den Anschluss an das Fernwärmenetz mit Niedertemperatur-Bodenheizung. Auf eine Ölheizung wurde bewusst verzichtet.
Besonders ist die über zweijährige, sorgfältige Bauzeit und der Umgang mit der Geschichte des Ortes: Das Haus erhielt nach rund 400 Jahren erstmals einen eigenen Namen, «Jettli», nach seiner letzten langjährigen Bewohnerin. «Wir sind überzeugt, dass diese Art der Finanzierung für den Erhalt von Altliegenschaften für eine gesunde Entwicklung der Quartiere, der Gemeinde und des Tourismus gleichermassen wertvoll ist», so Werner Rüegg, Inhaber bei Rüegg Architects. Das Projekt zeigt, wie der Verkauf einzelner Eigentumswohnungen die Finanzierung von günstigem Mietwohnraum für die einheimische Bevölkerung ermöglichen kann.
standort
Flims Dorf
planung | Ausführung | bezug
2015 | 2020 | 2021
bauherrschaft
Privat
leistung
Architektur | Baumanagement | Bauleitung
verfahren
Direktauftrag
Fotografie
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