Wohnen
Das in den 1930er-Jahren errichtete Mehrfamilienhaus in Chur erfuhr 1968 einen ersten grösseren Umbau durch den Churer Architekten Andres Liesch – eine der prägendsten Figuren der Nachkriegsmoderne in Graubünden, der mit über 250 Bauten im Kanton, darunter zahlreiche Schulhäuser und öffentliche Gebäude, das bauliche Gesicht der Region massgeblich mitgestaltet hat. Fünfzig Jahre nach diesem Eingriff stand nun eine sanfte Erneuerung an: Umbau, Sanierung und vor allem eine neue Farbgestaltung sollten das Haus behutsam auffrischen, ohne seinen Charakter zu verändern.
Im Zentrum des Eingriffs steht ein präzise abgestimmtes Farbkonzept, das dem Wohnhaus eine harmonische und unaufdringliche Atmosphäre verleiht. Charismatische dunkle Töne treffen auf hellere Grau-, Braun- und Weisstöne und erzeugen so reizvolle Kontraste, die in unterschiedlichsten Lichtverhältnissen überzeugen und den Räumen eine neue, gleichzeitig ruhige Prägung geben. Statt eines lauten Auftritts entsteht ein stimmiges, unaufgeregtes Gesamtbild, das die bauliche Substanz und den historischen Charakter des Hauses respektiert und zugleich spürbar auffrischt.
Der Umbau der Stadtvilla versteht sich damit weniger als Eingriff in die Architektur denn als sorgfältige Weiterentwicklung eines bestehenden Werks – eine Haltung, die der ursprünglichen Bausubstanz aus den 1930er-Jahren ebenso Rechnung trägt wie der Handschrift, die Andres Liesch dem Gebäude 1968 mitgegeben hat.
standort
Chur
abschluss
2020
bauherrschaft
Familie Rüegg-Cavigelli
leistung
Gesamtleistung
verfahren
Direktauftrag
Fotografie