Bildung
An der Pädagogischen Hochschule in Chur stand ein alter Schafstall, der seiner ursprünglichen landwirtschaftlichen Nutzung entwachsen war. 1993 wurde das Gebäude umgebaut und einer neuen Bestimmung zugeführt: als Schulgebäude für den Gärtnereiunterricht.
Der Umbau bewahrt die Grundstruktur des ehemaligen Stalls und übersetzt sie in einen Unterrichtsraum, der praktisches Gärtnern und schulische Vermittlung unter einem Dach vereint. Statt eines Abbruchs mit Neubau entschied man sich für die Weiterverwendung der bestehenden Bausubstanz – ein Ansatz, der sowohl den Charakter des ländlichen Gebäudes erhält als auch Ressourcen schont.
Konstruktiv basiert der Umbau auf einer Riegelwand in Fichte, aussen mit Lärchenbrettern verkleidet. Diese Materialkombination ist typisch für die traditionelle Bündner Bauweise und verleiht dem Gebäude eine robuste, wetterfeste Hülle, die sich zugleich unaufdringlich in den Kontext des Schulareals einfügt. Die Dachkonstruktion besteht aus Vollholzdielen in Fichte, während die Eindeckung mit den bereits bestehenden Biberschwanzziegeln erfolgte.
Gerade diese Wiederverwendung der vorhandenen Ziegel ist ein bemerkenswertes Detail: Anstatt das historische Dachbild durch eine Neueindeckung zu ersetzen, wurde das bestehende Material weiterverwendet – eine Praxis, die bei Umnutzungen traditioneller Ökonomiegebäude in Graubünden immer wieder zur Anwendung kommt, weil sie das gewachsene Erscheinungsbild bewahrt und zugleich unnötigen Materialverbrauch vermeidet. Der umgebaute Schafstall zeigt so exemplarisch, wie sich landwirtschaftliche Bausubstanz mit einfachen konstruktiven Mitteln für eine neue pädagogische Nutzung reaktivieren lässt, ohne ihren ursprünglichen Charakter zu verlieren.
standort
Chur
bezug
1993
bauherrschaft
leistung
Gesamtleistung
verfahren
Direktauftrag
Fotografie
Rüegg Architects