Industrie & Gewerbe
Im Skigebiet Flims Laax Falera, dass sich als «Weisse Arena» zum grössten zusammenhängenden Skigebiet Graubündens entwickelt hat, entstand 1997 mit der Talstation der Gondelbahn in Flims eine von vier Stationen einer neu gebauten Seilbahnanlage – ergänzt durch die Bergstationen Plaun, Scansinas und Nagens. Anders als bei den meisten Seilbahnprojekten, bei denen wirtschaftliche Überlegungen dominieren und Architektur kaum in Erscheinung tritt, sollte hier sowohl der Funktionalität als auch der architektonischen und städtebaulichen Situation Rechnung getragen werden.
Der Entwurf der Talstation folgt konsequent dem Betriebsablauf: Auf einem Sockelgeschoss aus Sichtbeton, das die betriebstechnischen Räume – Eingang, Kassen, Büros – aufnimmt, ruht die prägnante, multifunktional nutzbare Gondelhalle mit Ausfahrt. Die vier Bergstationen wählen demgegenüber eine technoide Formensprache aus Metall, Glas und Sichtbeton: Tragkonstruktion und Bahntechnik – Stahlstützen, Seilscheiben, Rollen – werden bewusst offen zur Schau gestellt, grossflächige Verglasungen, filigrane Stützenreihen und weite Auskragungen lassen die Baukörper über der Berglandschaft schweben. Übergeordnet wurden alle vier Stationen als transparente Hüllen konzipiert, die von den Fahrgästen primär als Durchgangsstationen auf dem Weg zum Gipfel wahrgenommen werden – mit bewusstem Einblick in den technischen Kern des Bauwerks. Je nach Höhenlage variieren Materialwahl und Erscheinungsbild der leichten Holz- oder Stahlkonstruktionen entsprechend den wechselnden klimatischen und landschaftlichen Bedingungen.
In der Talstation Flims übernehmen vier Zweigelenkrahmen aus grossformatigen Furnierschichtholzplatten das Haupttragwerk der Gondelhalle – ein technisches Gerippe, das von horizontal gegliederten, schuppenartig vorgeblendeten Holz- respektive Glasplatten umschlossen wird. Diese Schuppung setzt sich auf der Dachebene fort und sorgt für die natürliche Belichtung der Halle. Konstruktiv war aus Sicht des Bahnbetriebs eine aussergewöhnlich steife Lösung gefordert, um die Belastung aus Dachlast, Schnee sowie Laufschienen und Gondeln mit sehr geringer Verformung sicher aufzunehmen. Die vier Rahmenbinder aus schichtweise zusammengefügten, querfurnierten Platten überspannen die Halle stützenfrei; ihre Eckverbindung erreicht einen aussergewöhnlich hohen Wirkungsgrad, der deutlich über dem für Holzrahmen üblichen Mass liegt.
Diese geschichtete Rahmenkonstruktion, die im direkten Kostenvergleich mit einer Stahllösung mithalten konnte, gilt als konstruktive Besonderheit mit Modellcharakter für künftige Bauten – sofern Holztrocknung und Schlupf der Verbindungsmittel sorgfältig beachtet werden. Die 1997 erbaute Talstation zeigt, wie sich die hohen technischen Anforderungen des Bahnbetriebs mit einer eigenständigen architektonischen Haltung verbinden lassen, die über die reine Zweckerfüllung hinausgeht.
standort
Flims Dorf
bezug
1997
bauherrschaft
leistung
Gesamtleistung
verfahren
Direktauftrag
projektbeteiligte
Fotografie
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