Landwirtschaft
Im Walser Hochtal Avers, das seit dem 13. Jahrhundert von einer charakteristischen Streusiedlungsstruktur geprägt ist, wird im Auftrag der 2017 gegründeten Stiftung Avers Ställe an der Rettung eines aussergewöhnlichen kulturellen Erbes gearbeitet: Bislang konnten rund 38 landschaftsprägende Ökonomiebauten vor dem Zerfall bewahrt werden. Die Ausgangslage ist unumgänglich – seit den 1970er-Jahren haben Strukturwandel und Mechanisierung in der Landwirtschaft dazu geführt, dass die abgelegenen Ställe ihren ursprünglichen Zweck verloren haben und, sich selbst überlassen, zusehends verfallen.
Die historischen Ökonomiebauten des Avers lassen sich in drei Typen einteilen. Der Heimstall stand meist in unmittelbarer Nähe des Wohnhauses; unten die Viehhabe, oben das eingelagerte Heu. Der Aussenstall lag hingegen abseits des Heimbetriebs, dort, wo entlegene Güter bewirtschaftet wurden – auch er meist zweigeschossig mit Vieh im Erdgeschoss und Futter darüber, in einzelnen Fällen aber auch als reiner, einstöckiger Heuspeicher ausgeführt. Der dritte Typ, das Bärggädemli, findet sich in den höheren Lagen des Tals: ein kleiner, einstöckiger Heustall, der ausschliesslich der Lagerung von Magerheu diente, dass nur alle zwei bis drei Jahre gemäht und im Hochwinter in Ballen über den Schnee zu den Heimbetrieben transportiert wurde.
Konstruktiv handelt es sich bei den meisten dieser Bauten um traditionelle Blockbauten (Gwättbau), die auch nach rund 200 Jahren häufig noch vollständig im Verbund stehen – ein Beleg für die handwerkliche Qualität ihrer Erbauer. Wo Hang- und Schneedruck über die Jahrzehnte zu Fundamentverschiebungen und eingeknickten Konstruktionen geführt haben, kommt eine aufwendige, aber bestandserhaltende Methode zum Einsatz: Die Blockbauten werden vor Ort demontiert, per Helikopter ins Tal geflogen und dort fachgerecht wiederhergestellt, bevor sie zurück an ihren Ursprungsort transportiert und auf einem neuen Fundament wieder aufgesetzt werden. Historische Bauteile wie Röstifirste oder Quarzitplatten werden dabei so weit wie möglich wiederverwendet und nur dort ergänzt oder verstärkt, wo es die Statik erfordert.
Mit jedem geretteten Stall bleibt ein Stück der einst weit verstreuten Walser Landwirtschaftskultur im Landschaftsbild des Avers erhalten – und damit auch ein wesentlicher Teil dessen, was das Tal touristisch wie kulturell prägt.
standort
Avers
Übergabe
bis 2018
bauherrschaft
leistung
Architektur | Baumanagement | Bauleitung
verfahren
Direktauftrag
projektbeteiligte
Fotografie
Rüegg Architects
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